3 Denkfehler bezüglich der Berufswahl – ein Gastartikel von Theresa Feulner

3 Denkfehler zur Berufswahl

Wenn es um das Thema Berufswahl oder berufliche Neuorientierung geht, haben wir sofort ein paar Dinge dazu im Kopf, zum Beispiel: „Ich muss nur lange genug überlegen, dann weiß ich schon, was ich werden will“. In diesem Gastartikel räumt Psychologin Theresa Feulner mit drei dieser Denkfehler, oder in Fachsprache „falschen Grundannahmen zur Berufswahl“ auf. Außerdem erzählt sie uns wie sie persönlich ihre Berufung gefunden hat und teilt Tipps. 

Gastartikel: Falsche Grundannahmen über die Berufswahl und Tipps von einer Psychologin

Wir alle sind zu einem Zeitpunkt in unserem Leben mit der großen Frage der Berufsentscheidung konfrontiert: Was möchten wir mit der großen Menge an Zeit, die wir auf der Arbeit verbringen, tun? Und es ist eine große Menge: wir verbringen durchschnittlich 80 000 Stunden unseres Lebens mit Arbeit.

Wenn diese Entscheidung ansteht, gibt es verschiedene Gruppen von Menschen:

Die Entschiedenen.

Es gibt die Menschen, die schon immer wussten, sie wollen Arzt/ Lehrer/ etc. werden. Ich habe mich immer gefragt, woher diese Sicherheit kommen kann, ohne den Beruf jemals ausgeübt zu haben. Aber ich fand auch, dass diese Gruppe zu den Glücklichsten gehören. Sie können dem Druck ganz gelassen begegnen, der von Familie und Freunden gegen Ende der Schulzeit immer öfter ausgeübt wird. Dem vielen Fragen nach „und was machst du nach dem Abschluss?“.

Die, die eine grobe Ahnung haben.

Dann gibt es die Gruppe, die eine grobe Vorstellung hat, also „irgendwas mit Medien/ Wirtschaft“ machen möchte, sich aber noch nicht ganz entschieden hat. Auch diese Gruppe hat immerhin eine grobe Vorstellung, was man auf diese existentielle Frage antworten kann.

Die, die keine Ahnung haben.

Und dann gibt es noch die dritte Gruppe, die diesen Fragen entweder ausweicht, oder nur unter großem Unbehagen ein solches Gespräch führt. Wenn man äußert, noch keine Ahnung zu haben, was man denn machen möchte, kann man sich Ratschlägen, mitleidigen Blicken, oder weiteren Fragen nach Interessensgebieten sicher sein. Zur dritten Gruppe zu gehören, kann aber auch für einen selbst sehr schwierig sein: Es kann leicht das Gefühl entstehen, jeder hätte irgendwie seine Berufung und seinen Platz in der Welt gefunden, nur man selbst habe noch nicht diese Erleuchtung der Gewissheit und Einsicht erreicht.

Wie du vielleicht geahnt hast, habe ich lange zur dritten Gruppe gehört. Mein langer Weg hat mit meiner großen Unsicherheit begonnen. Heute kann ich, viele Jahre später, sagen, dass ich meine Berufung gefunden habe. Daher möchte ich gerne mit dir teilen, was hilfreich für mich auf diesem Weg war!

Hier kommen meine Empfehlungen, um für dich mehr Klarheit zu bekommen:

Retreat Schloss Goldegg Banner

1. Werde aktiv & sammle Erfahrungen!

Ein wichtiger Schritt war für mich, aktiv zu werden und praktische Erfahrungen zu sammeln. Vor dem Studium oder der Ausbildung kann das sehr schwierig sein, dennoch ist es meiner Meinung nach sinnvoll, dich um Hospitationen oder Praktika zu bemühen, um praktische Einblicke in deine Interessensgebiete zu bekommen. Auch zu Beginn deines Studiums oder deiner Ausbildung kannst du entscheiden, einen Fokus auf Praktika zu legen. Letztendlich ist es die einzige Möglichkeit, um zu überprüfen, ob die Vorstellungen, die du von einem Beruf oder Gebiet hast, auch der Realität entsprechen.

Ich habe damit am Anfang meines Studiums begonnen, und dadurch gemerkt, welche Bereiche ich spannend fand (die klinische Psychologie) und welche weniger (Wirtschaftspsychologie).

2. Werde dir dem gesellschaftlichen Druck bewusst

Außerdem ist es wichtig, dass du dir dem Druck bewusst wirst, der in unserer Gesellschaft herrscht, die eigene Berufung und den Traumjob zu finden. Früher war Arbeit da, um Geld zu verdienen. Der Wert der Arbeit hat sich jedoch sehr verändert und ist heute ein Ort der persönlichen Weiterentwicklung und Erfüllung geworden.

Einerseits haben sich viele Arbeitsbedingungen natürlich enorm verbessert, andererseits gibt es jetzt aber auch den Druck, dass dein Job eben diese Funktion auch erfüllen muss. Ich selbst habe oft das Gefühl gehabt, dass es irgendwie dazugehört, seinen Traumjob zu finden, und das hat mich unter Druck gesetzt.

3. Werde dir deiner eigenen hohen Erwartungen bewusst

Auch die Erwartungen, die du an dich selbst stellst, kannst du dir bewusst machen: Es ist eine hohe Forderung an dich selbst, wissen zu „müssen“, was du beruflich endgültig machen willst. Du kannst es auch als eine Reise ansehen, die du beginnst, ohne das exakte Ziel zu kennen- und ohne das Ziel kennen zu müssen oder wollen! Versuche also, dich etwas zu entspannen!

Nimm dir den gesellschaftlichen Druck, der dir vielleicht von deiner Familie oder Freunden vermittelt wird, nicht zu sehr zu Herzen! Ich bin mir erst spät meiner eigenen, hohen Erwartungen bewusst geworden, das hätte mir früher aber gut getan.

4. Erkenne Denkfehler zur Berufswahl

Es kann auch helfen, sich die falschen Vorstellungen, die mit der Berufsentscheidung einhergehen, bewusst zu werden.

Denkfehler Nr. 1: Du musst nur lange genug überlegen, dann weißt du es

Eine falsche Vorstellung ist, durch bloßes Nachdenken zu einer Lösung zu kommen: Es geht nicht um eine theoretische Aufgabe, die du durch Nachdenken lösen kannst, sondern um Erfahrungen, die du nur durch Ausprobieren oder Auseinandersetzung mit Inhalten und Themen bekommen kannst. Dadurch kannst du z.B. besser die Frage beantworten, was dir Spaß machen könnte.

Ich habe auch lange Zeit viel darüber nachgedacht, was ich denn nun studieren möchte, wirklich weitergebracht hat mich das aber nicht. Wirkliche Klarheit habe ich erst im Laufe meines Studiums in verschiedenen Praktika bekommen, in denen ich gemerkt habe, wie gerne ich in der Rolle als Psychologin arbeite.

Denkfehler Nr. 2: Es gibt nur einen Beruf, in dem du immer arbeiten wirst

Ein weiterer Denkfehler zur Berufswahl ist, dass es den einen Beruf gibt, der für immer unser Beruf sein wird. Wir als Menschen entwickeln uns ständig weiter, verändern unsere Interessen, können Neues erlernen – wie kann da ein in der Jugendzeit ausgewählter Beruf für lange Zeit unsere Interessen repräsentieren?

Es gibt inzwischen einige Berufe, die man mit unterschiedlichen Abschlüssen machen kann, wie z.B. das Arbeiten in der Unternehmensberatung. Und auch mit einem Studium oder einer Ausbildung hast du, je nach Gebiet, oft auch noch viele Möglichkeiten, in verschiedenen Bereichen zu arbeiten. Studierst du, wie ich, Psychologie, so kannst du z.B. in der Personalentwicklung arbeiten, in einer Klinik oder auch an Schulen mit Kindern.

Denkfehler Nr. 3: Es gibt nur den einen richtigen Beruf, den du finden musst

Es ist auch ein Denkfehler zur Berufswahl, davon auszugehen, dass es den einen „richtigen“ Beruf oder Studiengang gibt, und du nur zu unfähig bist, diesen zu finden. Es gibt auch bei der Berufsentscheidung kein richtig oder falsch, sondern du kannst es dir eher vorstellen wie einen Wanderweg, den du beginnst, einzuschlagen, und dann dabei immer wieder, Schritt für Schritt, mehr darüber lernst, welche Dinge dir liegen und welche nicht, welche Abzweigungen an Tätigkeiten oder Themen du interessant findest und welcher Weg der eigene sein kann. An das Ziel des Berufes, der gut zu einem passt, kommst du aber erst dadurch, Schritt für Schritt zu gehen, und selten kennt man dabei am Anfang schon das genaue Ziel.

Lange Zeit habe ich geglaubt, es würde nur den einen richtigen Beruf für mich geben, den ich noch nicht gefunden habe. Ich bin mir aber heute sicher, dass ich auch in einem anderen Berufsfeld glücklich werden könnte, weil ich vieles interessant finde. Hätte ich Jura studiert, so wäre ich vielleicht eine begeisterte Menschenrechtsanwältin geworden.

5. Nimm dir Zeit & eine Pause

Dennoch kann sich die Entscheidung für ein Gebiet auch schon sehr endgültig und festgelegt anfühlen – in manchen Bereichen, wie z.B. Lehramt, ist es ja auch tatsächlich eher so. Wenn du unter dem Druck, dich für ein Studium oder einen Beruf zu entscheiden, sehr leidest, so gibt es natürlich auch die Möglichkeit, erst einmal eine Pause einzulegen und dich zu orientieren – durch Reisen, verschiedene Jobs oder ein soziales Jahr zum Beispiel.

Ich persönlich habe mir mit einem sozialen Jahr Zeit gegeben für die Studiumsentscheidung und in den Bereich der Medizin im Krankenhaus hineingeschnuppert.

6. Suche dir professionelle Hilfe

Helfen können einem bei der Entscheidung verschiedene Anlaufstellen: Es gibt Orientierungsberatungsstellen an Universitäten, die teilweise auch psychologische Beratung zur Berufsauswahl anbieten, oder die Berufsberatungen der Agentur für Arbeit. Außerdem gibt es auch eine Non-Profit-Organisation, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat: 80 000 hours. Gegründet haben die NGO 2011 zwei Oxford- Studenten, die selbst nicht wussten, welchen Berufsweg sie einschlagen wollten, und haben dann begonnen, sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinanderzusetzen, um die aktuell gültige Wissenschaftsstand zum Thema zur Verfügung zu stellen. Auf ihrer Seite gibt es viel Material zu Online-Kursen, Texten, etc.:

Außerdem kannst du natürlich auch einen Kurs bei Anna buchen.

Onlinekurs Finde deine Berufung

Mir selbst hat die psychologische Berufsberatungsstelle meiner Universität in verschiedenen Gesprächen geholfen, mir Klarheit zu verschaffen.

7. Erlaube dir, deine Richtung zu korrigieren

Und auch, wenn du dich für etwas entscheidest, und nach einiger Zeit merkst, dass du die Richtung doch noch einmal ändern möchtest, dann ist das auch okay! So hast du immerhin gelernt, was du nicht machen möchtest, du hast mehr über dich selbst gelernt und ein Fachgebiet vertieft.

Ich selbst habe etwas in meinem Studium gefunden, das mich begeistert – die psychologische Beratung, und musste daher nichts an meiner Richtung korrigieren. Aber ich kenne viele, die verschiedene Ausbildungen oder Studiengänge ausprobiert haben, um für sie das Richtige zu finden. Und das ist okay und gut so!

Tipp: Hol dir dein kostenloses IKIGAI Workbook mit 10 Fragen, um deine Berufung zu finden!

Trage dich in meine E-Mail-Liste ein und bekomme als Dankeschön gratis ein Workbook zugeschickt, das dir dabei helfen wird deinen Traumjob zu finden. Alles, was du dafür tun musst, ist meinen monatlichen Newsletter zu abonnieren, von dem du dich jederzeit wieder abmelden kannst. Mehr Informationen dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung.


Über die Gastautorin:

Theresa ist Psychologin, lebt als digitale Nomadin aktuell auf Sardinien und ist mit großer Leidenschaft psychologische Online-Beraterin. Als psychologische Beraterin begleitet Theresa ihre Klienten dabei, ihre Gedanken- und Verhaltensmuster zu verstehen und Klarheit zu erlangen. Schwerpunkte ihrer Beratung sind Beziehungsberatung, Stress und ein geringer Selbstwert.

Neben ihrer Beratertätigkeit schreibt Theresa außerdem noch einen Blog zu Themen rund um Partnerschaft, Dating und Selbstliebe.

Wenn du neugierig geworden bist, kannst du hier mehr über ihre Arbeit und ihren Blog erfahren und dich mit ihr vernetzen:

Facebook: https://www.facebook.com/theresafeulnercounseling

Instagram: https://www.instagram.com/theresa_feulner/

Website: https://theresafeulner.com/

Blog: https://theresafeulner.com/blog/ 

nv-author-image

Anna ist leidenschaftliche Reisende ohne Orientierungssinn und bekennende Weltverbesserin. 2018 hat sie sich mit ihrem eigenem Onlinebusiness und einer Marketingagentur selbstständig gemacht und begonnen als digitale Nomadin um die Welt zu reisen. Auf Roadtrip Leben zeigt sie dir, wie du herausfindest, was dich beruflich wirklich erfüllt, wie du dich mit deiner Leidenschaft selbstständig machst und erfolgreich (online) Geld verdienen kannst. Außerdem gibt sie Human Design Readings & Coachings.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.