Jahresrückblick 2020 – (m)ein verrücktes Jahr

Jahresrückblick 2020

Was für ein verrücktes Jahr! Ich glaube, 2020 hatten wir uns wohl alle ganz anders vorgestellt. Eigentlich wollte ich dieses Jahr keinen  Jahresrückblick für den Blog schreiben. Aber dann habe ich heute meinen Jahresrückblick von 2019 nochmal gelesen und konnte einfach nicht anders als ein paar Zeilen dazu aus heutiger Sicht zu tippen.

Meine Worte im Jahr 2019

Ende 2019 habe ich geschrieben:

„Daher ist auch eines meiner Ziele für das nächste Jahr langsamer zu reisen und länger an einem Ort zu bleiben. Im Moment rückt auch das Thema „Homebase“ bei mir immer mehr in den Vordergrund – also eine gewisse Basis an einem Ort, an dem ich mich wohlfühle und an den ich immer wieder zurückkehren und von dort aus kürzere Reisen unternehmen kann.“

Wer hätte damals gedacht, auf welche Art und Weise mir dieser Wunsch im Jahr 2020 erfüllt wird?!

Von Australien…

Anfang Januar ging es für mich ab nach Australien. Der Plan lautete: 3 Monate zu bleiben, um gemeinsam mit meinem Partner sein Haus an der Gold Coast zu renovieren. Danach wollten wir für ein Monat nach Japan und dann wieder über den Sommer nach Berlin.

Wie wir alle wissen kam dann aber eine klitzekleine Pandemie dazwischen… Unsere Flüge im April nach Japan und Europa wurden gestrichen und ich beschloss, nicht mit dem Rückholflug nach Österreich zurückzufliegen, sondern den ersten Lockdown in Australien auszusitzen.

Damals war das wohl die beste Entscheidung: Es gibt bestimmt schlimmere Orte, um eine Pandemie auszusitzen, als in einem Land, wo man den Strand und einige der besten Surfspots weltweit vor der Nase hat 😉

Der Wendepunkt

Im Sommer jedoch wurde ich zunehmend unzufriedener: Ich fand mich plötzlich in einem Alltag wieder, den ich mir so nie gewünscht hatte. Reisen und Abenteuer fielen weg (dank der rigorosen Maßnahmen der Regierung durften wir uns nicht weiter als 40 Minuten von unserem Haus wegbewegen und die Landesgrenzen der jeweiligen Bundesländer waren gesperrt, wodurch ein Entdecken des Landes nicht möglich war). Und außer unseren Mitbewohnern, Nachbarn und ein paar flüchtigen Bekannten von der Latin Dance School kannte ich vor Ort niemanden, geschweige denn hatte ich Menschen rund um mich, mit denen ich auf einer Wellenlänge war. Ich begann zum ersten Mal auf meinen Reisen meine Freunde und meine Familie wirklich zu vermissen.

Mein Leben bestand nur noch aus Arbeiten, Kochen, Arbeiten am Haus und Strandpause. Eben das, was man als ganz normalen Alltag bezeichnen würde. Bloß, dass ich plötzlich merkte, was einen Alltag wirklich lebenswert macht: Die Menschen, die einem nahestehen und mit denen man sich zwischendurch einmal verabreden kann. Zwar hatte ich genug Kontakt zu anderen Menschen, aber mir fehlten die richtig tiefen Verbindungen. Die Gespräche mit Nachbarn und Mitbewohnern waren hauptsächlich oberflächlich und ich sehnte mich danach, einfach mal wieder auf einen Kaffee mit jemandem zu gehen, der mir wirklich etwas bedeutete und mit dem ich auch eine gemeinsame Vergangenheit hatte.

Ich merkte also, dass ich zunehmend unzufriedener wurde. Gleichzeitig aber sah ich keine wirkliche Alternative: Da mein Partner als Australier seit Beginn der Pandemie von ihrer Regierung ein Ausreiseverbot verhängt bekommen hat und das Land nicht verlassen durfte, war es uns nicht möglich, zu zweit nach Berlin oder Österreich zu fliegen. Und alleine das Land verlassen und nicht wissen, wann wir uns wiedersehen würden, wollte ich auch nicht. Bis ich Ende August schließlich einen Anruf von meiner Familie bekam: Mein Großvater war überraschend verstorben.

… nach Austria

Diese Nachricht machte etwas mit mir. Es war nun das zweite Mal, dass ich die Todesnachricht eines lieben Familienmitglieds bekam, während ich gerade am anderen Ende der Welt saß und keine Möglichkeit hatte, einfach mal schnell nach Hause zu fliegen. Und in diesem Moment wusste ich: Das möchte ich nicht noch ein drittes Mal erleben. Und so beschloss ich in diesem Moment, dass ich zurück nach Europa gehen würde – auch alleine.

Wenige Wochen später stand ich daher mit einem gebrochenen Herzen am menschenleeren Flughafen in Australien. Ich wusste nicht, wie es weitergehen würde, wann mein Partner nachkommen würde oder wo in Europa ich überhaupt bleiben wollte. Immerhin hatte ich meine Wohnung in Innsbruck vor 2,5 Jahren aufgelöst, um als digitale Nomadin um die Welt zu reisen. Alles, was ich wusste: Mein Herz sagte mir, dass es allerhöchste Zeit war nach Europa zurückzukommen. Und ich war dabei, diesem Ruf zu folgen.

Und dann kam ein Stein nach dem anderen ins Rollen, meine Wunscherfüllungsmaschine und das Universum zauberten mal wieder und heute, drei Monate später, sitze ich in einem Haus in Österreich: Dem frisch von meinem Papa und mir sanierten Haus meines verstorbenen Großvaters. Ich habe also das, was ich mir Ende 2019 noch so sehr gewünscht habe: Eine Homebase – einen Ort, an dem ich meine Sachen lassen kann, der nicht weit weg von meiner Familie und Freunden in Österreich und Deutschland ist und an den ich immer wieder zurückkehren und solange bleiben kann, wie ich möchte. Und ich warte darauf, dass mein Partner nachkommt – was, wenn alles klappt, Anfang Januar der Fall sein sollte.

Jahresrückblick 2020

Das Ende des Reisens?

Bedeutet das nun das Ende meines Reiselebens? Sicher nicht! Ich kenn mich doch – dafür gibt es einfach noch viel zu viele Länder, die ich noch nicht gesehen habe oder in die ich gerne mal wieder zurück würde. Ich merke jedoch, dass im Moment einfach was anderes dran ist – für mich persönlich, aber auch kollektiv. Ich glaube, gerade geht es nicht darum, irgendwelche Egotrips zu verwirklichen und um die halbe Welt zu fliegen, um seine persönliche Reiselust zu stillen. Und dass mir der Alltag in einem anderen Land nicht viel mehr gibt als der Alltag in Österreich oder Deutschland, das habe ich in Australien gemerkt.

Worum es stattdessen geht, darüber bin ich mir noch nicht so ganz im Klaren. Einen Erklärungsversuch habe ich in diesem Artikel mal gestartet. Ich werde die nächsten Wochen, wenn ich hier endlich mal zur Ruhe komme, nochmal reinspüren und darüber nachdenken. Im Moment bin ich einfach nur glücklich, mal zur Ruhe zu kommen und an einem Ort zu sein, an dem ich so lange bleiben kann, wie ich möchte, und der nicht am anderen Ende der Welt liegt, weit weg von Familie und Freunden.

Dass man die Zukunft nicht wirklich planen kann, hat uns dieses Jahr wohl eindrucksvoll bewiesen. Aber ich kann mir gut vorstellen, in den nächsten Jahren mehrere Monate im Jahr hier in der „Homebase in den Bergen“ zu sein und mehrere Monate in unserer „Homebase am Strand“ in Australien (vorausgesetzt, Australien lässt mich irgendwann wieder einreisen).

Und zwischendurch würde ich gerne kürzere Reisen unternehmen, bei denen vielleicht auch der Laptop mal zugeklappt bleiben darf. Denn auch wenn ich es liebe, als digitale Nomaden überall auf der Welt arbeiten zu können – manchmal wünsche ich mir die Zeit zurück, als ich noch völlig unbeschwert und ohne die Verpflichtungen einer Selbstständigen einfach mal wochenlang im mexikanischen Dschungel gecampt habe – ohne Handynetz, oder W-LAN.

Was auf Roadtrip Leben passiert ist

Dass ich 2020 kaum zum Reisen gekommen bin, hatte zumindest einen Vorteil: Ich hatte viel Zeit zum Arbeiten! Und so erblickte, mitten im ersten Lockdown, mein Onlinekurs „Finde deine Berufung! Designe deinen Lebensweg“ das Licht der Welt. Seither durfte ich viele liebe Menschen auf dem Weg zu ihrer Berufung begleiten und habe unglaublich liebes Feedback dazu bekommen. Seit Weihnachten ist die Anmeldung zum Kurs übrigens wieder möglich.

Außerdem habe ich im Herbst eine Ausbildung zur Human Design Analytikerin begonnen und baue die Erkenntnisse aus dem Human Design seither schon regelmäßig in meine Arbeit ein. Ich bin gespannt, wo mich diese Reise im Jahr 2021 noch hinbringt. Die Zeit in Australien habe ich außerdem dafür genutzt, ein neues Buch zu schreiben, das allerdings noch in Überarbeitung ist. Lasst euch überraschen!

Und auch bei meiner Werbeagentur hat sich einiges getan: Ich bin gerade dabei, mich von der Freelancerin zur strategischen Beraterin hinzuentwickeln. Seit einigen Monaten kommen immer mehr Soulpreneure (Unternehmer mit Herzensbusiness) zu mir, um sich beraten zu lassen, welche Social Media Kanäle für sie Sinn machen und wie man mit Pinterest seine Webseitenzugriffe erhöht. Die Durchbrüche, die sie in teilweise nicht mal 90 Minuten Zoom-Call haben, überraschen mich selbst immer wieder.

Gesetz der Anziehung nutzen

Erkenntnisse & Ausblick

In meinem Jahresrückblick von 2019 habe ich 3 Erkenntnisse festgehalten:

  1. Freiheit hat nichts mit Reisen zu tun
  2. Reisen alleine macht auf Dauer nicht glücklich
  3. Du kannst nicht alles im Leben kontrollieren

Diese 3 Erkenntnisse könnte ich wohl 1:1 so für den Jahresrückblick 2020 übernehmen. Es ist fast ein bisschen unheimlich – so als hätte ich bereit unterbewusst geahnt, wo die Reise in diesem verrückten Jahr hingeht!

Ein Freund hat mir erzählt, dass er dieses Jahr keine Neujahrsvorsätze hat, sondern das nächste Jahr unter ein Motto stellt, und zwar das Motto „geben“. Diese Idee hat mit so gut gefallen, dass ich sie mir abgeschaut habe: Ich möchte 2021 unter das Motto „zurückgeben“ stellen. Die letzten 3 Jahre war ich sehr auf mich und meine persönliche Entwicklung fokussiert. Ich habe mich beruflich und privat voll ausgelebt, alles ausprobiert, was ich ausprobieren wollte und bin um die ganze Welt gereist, einfach weil ich Lust und Laune dazu hatte. Nun spüre ich, dass es Zeit ist zurückzugeben. Teilweise mache ich das bereits mit meiner Arbeit hier auf Roadtrip Leben, aber ich weiß, dass da noch mehr möglich ist.

  1. Ich möchte, neben meinen regelmäßigen Geldspenden, im Jahr 2021 auch meine Zeit verschenken, um Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht wie mir. Wie genau das aussehen wird, das darf sich noch formen. Aber ich habe in den 3 Jahren auf meinen Reisen so viel gesehen, dass ich einfach nicht mehr wegschauen kann und möchte.
  2. Ich möchte im Jahr 2021 auch vermehrt den Menschen in meinem Leben zurückgeben, die mir wichtig sind und die in meinem Leben immer für mich da waren. Gerade die letzten Monate seit ich zurück in Österreich bin und beim Hausrenovieren habe ich so viel Unterstützung, Großzügigkeit und Liebe von meiner Familie erfahren, für die ich unendlich dankbar bin und ohne die ich heute nicht hier in diesem Haus sitzen würde. Nun ist es Zeit, zurückzugeben.

Fazit

2020 war wirklich ein verrücktes Jahr. Ich glaube, jeder von uns hat so seine Narben davongetragen – aber wir alle haben auch unglaublich viel gelernt, geheilt und transformiert. 2021 ist es an der Zeit, all unsere Erkenntnisse der letzten Monate auch wirklich zu verkörpern und unser Handeln danach auszurichten. Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch in das neue Jahr! Danke, dass du diesen Artikel gelesen hast und somit auch ein Teil meines Jahres warst.

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Anna ist leidenschaftliche Reisende ohne Orientierungssinn und bekennende Weltverbesserin. 2018 hat sie sich mit ihrem eigenem Onlinebusiness und einer Marketingagentur selbstständig gemacht und begonnen als digitale Nomadin um die Welt zu reisen. Auf Roadtrip Leben zeigt sie dir, wie du herausfindest, was dich beruflich wirklich erfüllt, wie du dich mit deiner Leidenschaft selbstständig machst und erfolgreich (online) Geld verdienen kannst.

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