Wieso du erst das komplett Falsche machen musst, bevor du dein Ding findest

Wieso du erst das komplett Falsche machen musst, bevor du dein Ding findest

Wie ich bereits im Artikel „Wie finde ich mein Ding“ geschrieben habe, wirst du nicht morgen aufwachen und plötzlich deine Leidenschaft gefunden haben. Vielmehr ist die Suche nach dem, was dich erfüllt, ein Prozess – zu dem es nun auch einmal dazugehört, etwas auszuprobieren, das so gar nicht deins ist. Wieso es so oft passiert, dass du erst das komplett Falsche machst, bevor du dein Ding findest und wie das bei mir war erfährst du jetzt.

Eine kleine Anekdote

In Mexiko habe ich ein Paar kennengelernt, das ziemlich eindeutig genau das erlebt hat: Beide haben erst etwas gemacht, das so gar nicht ihres war, bevor sie das gefunden haben, was 100% zu ihnen passt. Ich habe die zwei kennengelernt als sehr verliebtes Paar, das sich viel mit Spiritualität beschäftigte und einen ausgewogenen Lebensstil dank Yoga und pflanzlicher, veganer Ernährung führte. Als mir die beiden erzählten, wie ihr Leben noch ein Jahr davor ausgesehen hatte, konnte ich es kaum fassen: Sie war als sehr gläubige Katholikin als Nonne in einem Kloster, er extrem muskulös, jeden Tag einige Stunden im Fitnessstudio am Trainieren, den Kühlschrank voll mit Fleisch, um den Muskelaufbau zu beschleunigen.

Meine Geschichte

Eine ganz so krasse Wandlung habe ich (noch) nicht durchgemacht. Aber auch ich kenne das, dass man erst einmal in die falsche Richtung laufen muss, um die richtige zu finden. Ich war ein sehr sensibles und empathisches Kind. Materielle Dinge waren mir nie wichtig, stattdessen war ich schon immer fest dazu entschlossen, gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zu kämpfen und anderen Menschen, denen es nicht so gut geht wie mir, zu helfen. Das war auch der Grund, warum ich ursprünglich Nonprofit-, Sozial- und Gesundheitsmanagement studierte. Im Laufe des Studiums aber begann ich mich immer mehr für die Wirtschaft und Wege, wie man Geld verdienen kann, zu interessieren. Nach und nach vergaß ich, wieso ich eigentlich angefangen hatte, etwas im Sozialbereich zu studieren und begann einen Master im Tourismus dranzuhängen. Schließlich ging ich ein Semester lang nach Hongkong – wohl eine der materiellsten Städte und ungerechtesten Städte der Welt, wo eine große Kluft zwischen Arm und Reich herrscht. Durch meinen Freund, der aus Frankreich 5 Jahre davor nach Hongkong gekommen war, lernte ich das schöne Expat Leben in der Metropole kennen und sah, dass man in Hongkong als Europäer sehr viel Geld verdienen und einen tollen Lifestyle mit viel Luxus, Party und Reisen führen konnte. Ich plante schon meine Rückkehr nach Ende des Studiums und begann bereits, mich bei großen Firmen zu bewerben. Doch zum Glück kam alles ganz anders. Ich begann, mich intensiver mit Spiritualität und Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen und mich zu fragen, wofür ich eigentlich auf der Welt bin und was ich aus meinem Leben machen möchte. Schlussendlich stellte ich fest, dass reich werden, reisen und feiern zwar für eine gewisse Zeit ganz schön sein könnte, ich jedoch ganz andere Werte vertrete und mehr in der Welt bewirken möchte, als für eine Firma, die keine fairen Bedingungen bietet und manche Menschen reich macht, indem sie andere ausbeutet, zu arbeiten.

Wieso aber müssen wir oft erst das komplett Falsche machen, bevor wir unser Ding finden? Dazu fallen mir folgende Gründe ein:

Nur wenn du weißt, was du nicht willst, kannst du herausfinden was du willst

Klar könnten wir die Zeit, in der wir etwas nachgehetzt sind, das sich im Nachhinein als nicht so toll herausgestellt hat, als verlorene Zeit betrachten. Wir können es aber auch positiv sehen und die Zeit als gut investierte Zeit betrachten, in der wir herausgefunden haben, was wir nicht möchten. Denn mit jeder falschen Entscheidung lernen wir uns ein Stück besser kennen, können in Zukunft besser einschätzen, was zu uns passt (und was nicht) und leichter Entscheidungen treffen.

Du musst etwas tun, um später nicht zu bereuen, es nicht getan zu haben

Oft müssen wir auch einfach etwas ausprobieren, das uns reizt, um später nicht zu bereuen, es nicht getan zu haben. Auch wenn dir deine Freunde vielleicht schon prophezeien, dass etwas nicht zu dir passt, musst du es vielleicht selbst herausfinden, um anschließend eindeutig zu wissen, dass es wirklich nichts für dich ist. Ansonsten könnte es sein, dass du in einigen Jahren zurückblickst und dich fragst „was wäre, wenn ich das ausprobiert hätte…“ – und deinen Weg in Frage zu stellen beginnst.

Nicht schwarz, nicht weiß, sondern irgendwo dazwischen

Viele Leute, die noch auf der Suche nach „ihrem Ding“ sind glauben, dass sich ihre Leidenschaft ganz eindeutig abzeichnen wird. Sie suchen und warten verzweifelt auf DAS EINE, das sie vollkommen erfüllt und von dem sie im ersten Moment schon wissen: Genau das ist es. Klar kann es sein, dass dir das passiert – in den meisten Fällen fällt uns unsere Leidenschaft aber nicht so einfach und eindeutig zu, sondern wir „basteln“ uns unser Ding aus vielen verschiedenen Komponenten. Wenn du vieles ausprobierst, wirst du irgendwann feststellen, dass alles so seine Vor- und Nachteile hat. Beim einen Job gefällt dir vielleicht das Arbeitsumfeld, im zweiten Job genießt du das reisen, im dritten Job magst du die Arbeit selbst. Dein Ziel ist es nun, das zu finden, aus dem du die positiven Elemente aus Job 1-3 verbinden kannst. So müssen wir oftmals das auf den ersten Blick Falsche machen, um uns die richtigen Elemente herauszupicken und zu unserem Ding zusammenzufügen.

Das Universum testet dich

Der letzte Grund klingt vielleicht ein wenig komisch, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass das Universum testen möchte, wie ernst es uns mit unserem Ding ist. Als ich mich zum Beispiel endlich dazu entschlossen hatte, mich selbstständig zu machen, tauchte plötzlich ein Jobangebot als Vollzeit Social Media Manager auf, in dem ich in etwa dreimal so viel verdient hätte, als in meinem vorherigen Job. Nach kurzem Überlegen aber habe ich mich trotzdem dagegen entschieden – und es bis heute nicht bereut. Auch andere haben mir bestätigt, dass sie auf ähnliche Weise getestet wurden, ob sie es wirklich ernst meinen mit ihrer Entscheidung. Vielleicht ist das einfach der Weg des Universums, uns noch einmal bewusst zu machen, was wir wirklich wollen im Leben und uns in unserer Entscheidung zu betätigen.

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