5 Sätze, die ich als Freiberuflerin nicht mehr hören kann

5 Sätze, die ich als Freiberuflerin nicht mehr hören kann

Zwei Jahre ist es nun her, dass ich mein Angestelltenverhältnis gekündigt habe, um mich selbstständig zu machen. Letztes Jahr habe ich zum Jahrestag meiner Kündigung einen Artikel über acht Dinge geschrieben, die ich gerne gewusst hätte, bevor ich mich selbstständig gemacht habe. In der Fortsetzung davon verrate ich euch heute die Top 5 Sätze, die ich als Freiberuflerin nicht mehr hören kann.

1. „Du bist doch eh zuhause“

Ich freue mich, wenn du etwas mit mir unternehmen möchtest. Ehrlich. Aber nur, weil ich im Homeoffice arbeite und damit unter der Woche auch zuhause bin, heißt das nicht, dass ich mir deswegen einfach mal den halben Tag freinehmen kann, um mit dir zu frühstücken. Klar, wenn ich nicht gerade Kundentermine oder Telefonate geplant habe, kann ich das theoretisch, weil ich mir meine Zeit frei einteilen kann. ABER: Du hast vielleicht einen Urlaubstag oder Zeitausgleich, aber für mich sind Mo-Fr ganz normale Arbeitstage, an denen ich auch auf meine 8 Stunden Arbeit kommen muss. Wenn ich also den ganzen Vormittag mit dir frühstücke, muss ich die Arbeitsstunden dann abends oder am Wochenende nachholen. Hast du daran schon einmal gedacht? Ich wünsche mir, dass du dies das nächste Mal wertschätzen kannst, wenn ich mir diese Zeit für uns unter der Woche nehme. Und es nicht für selbstverständlich hinnimmst und vielleicht sogar eingeschnappt bist, wenn ich dir sage, dass ich leider keine Zeit habe, weil ich arbeiten muss. OBWOHL ich zuhause bin.

2. „Kannst du das machen? Ich muss arbeiten“

Äh, hallo?? Ich auch?? Klar, ich verstehe schon, was du meinst. Dein Arbeitgeber verlangt blöderweise von dir, dass du zu den Öffnungszeiten des Arztes oder des Gemeindeamtes im Büro bist. Ich kann mir meine Zeit flexibler einteilen und daher auch mal schnell tagsüber unter der Woche dort vorbeihuschen, ohne dass ich mich dafür bei meinem Chef entschuldigen musst. Deshalb ist es für mich auch einfacher, die Handwerker zu bewirten oder mal eben für die ganze Familie Mittagessen zu kochen. Aber trotzdem hättest du den Satz etwas besser formulieren können. Ich muss auch arbeiten, verdammt nochmal. Siehe vorigen Punkt.

3. „Machst du eigentlich noch das Gleiche wie letztes Jahr?“

Ja, mache ich. Selbstständigkeit ist nichts, was ich mal eben so ausprobieren wollte wie Joggen oder Langlaufen und dann wieder lasse, weil es mir nicht gefällt. Ich habe viel Zeit und Energie in mein Unternehmen gesteckt und mich ausgiebig damit beschäftigt ob das wirklich das Richtige für mich ist, bevor ich den Schritt gegangen bin. Daher hoffe ich, dass ich auch nächstes Jahr noch das Gleiche mache wie letztes Jahr. Und übernächstes Jahr.

4. „Was machst du denn hauptberuflich?“

Häh? Bist du taub? Genau das, was ich dir gerade gesagt habe. Bloggen, Content & Social Media Marketing. Das ist mein Hauptberuf. Damit verdiene ich mein Geld. Und dafür arbeite ich vermutlich sogar mehr Stunden pro Woche, als du das in deinem Angestelltenjob machst. Weil auch mal abends oder am Wochenende. Also bitte hör auf damit, das als Hobby oder Nebenberuf anzusehen.

5. „Das ist uns leider zu teuer. Da müssten wir nochmal über den Preis reden“

Mein Lieblingssatz potentieller Kunden, nachdem ich meinen Preis genannt habe. Klar mache ich gerne was am Preis, wenn es ein größerer Auftrag ist oder für Stammkunden. Aber das kommuniziere ich dann in der Regel auch von Anfang an so. Wenn ich einen Preis nenne, dann ist das der kleinstmögliche Preis für das was ihr beauftragt habt, für den ich noch arbeiten kann, ohne dass ich selbst draufzahle. Ich bin ja nicht Willhaben oder so, wo der Verkäufer den Preis extra höher ansetzt, weil er weiß, dass potentielle Käufer ihn nochmal runterhandeln werden. Sagt ihr das beim Friseur oder Physiotherapeuten eigentlich auch: „Das ist mir leider zu teuer, da müssen wir nochmal über den Preis reden?“ Na seht ihr. Content & Social Media Marketing ist eine Dienstleistung wie jede andere auch. Also bitte hört auf, den Preis verhandeln zu wollen. Und akzeptiert mein „tut mir leid, aber günstiger kann ich es echt nicht machen“. Qualität hat nun einmal seinen Preis.

 

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12 Kommentare

  1. Klar, sowas hört man immer mal wieder. Aber wieso regt es Dich auf?

    Und ja, natürlich versuchen Kunden, den Preis zu drücken. So ist das eben bei Marktwirtschaft und Kapitalismus. Da braucht man dann Eier und ggf. Rücklagen, um „nein“ sagen zu können. Wenn’s dann bei der Billigkonkurrenz zu schlecht war, kommen sie eh wieder. Und wenn nicht… wer will schon Kunden, die Qualität nicht zu schätzen wissen? 😀

    1. Hey Wolfram, gute Frage. Ich denke, weil ich die Sätze einfach 1-2x zu oft gehört habe inzwischen und es leid bin, darauf zu antworten 😀 Aber natürlich habe ich es für diesen Artikel etwas überspitzt formuliert. Normalerweise denke ich mir einfach meinen Teil wenn ich mal wieder einen der fünf Sätze höre und antworte freundlich drauf. Der andere kann ja nicht wissen, dass ich das Gleiche schon zigmal gehört habe 😉
      Und da hast du Recht. Da muss man sich wohl klar als Qualität statt Quantität positionieren und wie du sagst einfach „nein“ sagen.
      Liebe Grüße, Anna

  2. Hi Anna, genau diese Sätze habe ich gefühlt auch schon 1000 Mal gehört.
    Als Fotografin hört man dann oft noch:
    ‚Und davon kannst du leben?‘
    ‚Ist Fotografie nicht ein brotloser Job?!‘
    ‚Wir können dich leider nicht bezahlen, aber wir können dich dann auf Instagram verlinken, wir haben eine tolle Reichweite‘
    ‚Leider haben wir da nur die Hälfte des Budgets…. denkst du, das ist machbar?‘ ‚Wär super, wenn du das noch schnell mitmachen kannst, du musst eh nur schnell abdrücken‘
    ‚Du hast eine teure Fotokamera, damit macht man sicher richtig gute Fotos‘

    Ich versteh dich total und es ätzt einen einfach irgendwann an. Nein, ich arbeite nicht gratis für dich. Deinen Klemptner fragst du ja auch nicht, ob er dir das Klo aus Spaß an der Freude wieder frei macht. Die Leistung erzielt einen Mehrwert für das Unternehmen und fertig. Muss mir da selber manchmal noch den Spiegel vorhalten, gerade wenn einen die Kunden am Telefon mal ’schnell‘ mit nem Preis festnageln wollen.

    Hoffe, die sinnlosen Fragen werden bei dir mit der Zeit weniger 😉

    Alles Liebe,
    Christina von https://miles-and-shores.com

    1. Hey Christina, danke für deine Erfahrung dazu! Das klingt allein beim Lesen schon nervig 😉 Ja, hoffen wir die Fragen werden irgendwann weniger – oder vielleicht triggern sie uns auch einfach irgendwann nicht mehr?
      Alles Liebe und weiterhin viel Erfolg mit der Fotografie! Anna

  3. Oh ja „Was machst du denn hauptberuflich?“kenne ich auch. Oder „Davon kann man leben?“. Es gibt immer noch Menschen, die glauben, ich wäre eigentlich Hausfrau, mein Mann zahlt alles und mein „Job“ sei mein Hobby gegen Langeweile … dabei ernähre ich mich seit 15 (!) Jahren davon und mein Mann und ich haben komplett getrennte Konten …

    1. Oh mann… Ganz schön frustrierend! Falls es dir heute noch niemand gesagt hat: Wow, ich finde es toll was du machst und dass du damit schon seit 15 Jahren so erfolgreich bist. Hut ab!

  4. Hey Anna,
    herrlich erfrischend, wie Du das geschrieben hast! 😀
    Ich bin mittlerweile seit einiger Zeit nebenberuflich selbstständig. Obwohl ich damit fast so viel verdiene, wie in meinem Hauptjob, nehmen das Thema trotzdem ganz viele Menschen in meinem Umfeld überhaupt nicht ernst…
    Ich bin einmal gespannt, wie das aussieht, wenn ich mich entschließen sollte, nur noch das zu machen! 😀
    Oh, was den Preis angeht kann ich Dich auch nur zu gut verstehen. Wenn einem etwas (scheinbar) Spaß macht, dann ist der Gegenüber schnell versucht die Zahlungsbereitschaft zu reduzieren. Aufwand ist jedoch Aufwand.
    Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Erfolg!
    Liebe Grüße
    Jahn

    1. Hey Jahn,
      danke für deine Erfahrung dazu! Ja, ich kann mir vorstellen, dass es dir als nebenberuflich Selbstständiger nochmal mehr so geht. Aber mega, dass es so gut läuft bei dir! Ich wünsche dir weiterhin alles Gute.
      Ganz liebe Grüße, Anna

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