Wie eine Zeremonie vor einem Jahr mein Leben verändert hat

Wie eine Zeremonie vor einem Jahr mein Leben verändert hat

Ihr Lieben, jetzt wird es ernst. In diesem Artikel verrate ich euch mein bisher bestgehütetes Geheimnis: Wie eine schamanische Zeremonie vor genau einem Jahr mein Leben grundlegend auf den Kopf gestellt hat. Seid ihr bereit dafür?

Darum geht‘s

Wie du vielleicht weißt habe ich im Jahr 2018 mein Leben einmal um 180 Grad gedreht: Ich habe meinen unbefristeten Job gekündigt, um mich selbstständig zu machen, um die Welt zu reisen und um dich mit diesem Blog dazu zu inspirieren dein Ding zu machen. Auslöser dafür war, neben dem Prozess kontinuierlicher Selbstreflexion mit Hilfe von Spiritualität und Persönlichkeitsentwicklung, vor allem Eins: Eine schamanische Zeremonie. Nun, ein Jahr danach, habe ich das Gefühl, es so weit verarbeitet zu haben, um mit euch zu teilen, was damals passiert ist. Ich erzähle euch in diesem Beitrag von der schönsten, aber zugleich auch schlimmsten Nacht meines bisherigen Lebens.

Der Hintergrund dazu

Um meine Entscheidung, an der Zeremonie teilzunehmen zu verstehen, nehme ich dich einmal kurz mit in den September 2017. Ich habe gerade mein Masterstudium abgeschlossen und damit plötzlich ganz viel Zeit zur Selbstreflexion. Das letzte halbe Jahr war ziemlich stressig für mich: Auf der einen Seite war ich noch dabei mein Vollzeitstudium abzuschließen und meine Masterarbeit zu schreiben. Auf der anderen Seite arbeitete ich schon Vollzeit im Social Media Marketing – in einer Firma, die 95 km von meinem Wohnort entfernt war und zu der ich täglich 3 Stunden hin- und retour pendelte. Da blieb nicht besonders viel Zeit für Freizeitaktivitäten! Nun, da ich „nur“ noch meinen Vollzeitjob hatte, fragte ich mich plötzlich, womit ich eigentlich meine Abende und Wochenenden in Zukunft so verbringen möchte. Wer bin ich außerhalb der Arbeit und des Studiums? Was macht mir Spaß?

Gleichzeitig begann ich in den 15 Stunden, die ich pro Woche im Zug auf dem Weg zur Arbeit verbrachte, Podcasts zu hören, die sich mich Spiritualität oder Persönlichkeitsentwicklung beschäftigten, sowie Bücher zu diesen Themen zu lesen. Je mehr ich mich mit mir selbst und damit, was ich wirklich im Leben erreichen möchte beschäftigte, umso mehr wurde mir klar: Ich möchte das Leben anderer Menschen verändern, ich möchte etwas zurückgeben, ja vielleicht sogar ein Stück weit die Welt verbessern. Und je stärker diese Stimme in mir wurde, umso deutlicher wurde auch: Diese Ziele und mein aktueller Job, das passt irgendwie nicht zusammen. Gleichzeitig wusste ich aber noch nicht, was ich stattdessen machen wollte. Und so machte ich erst einmal weiter so wie bisher, hörte inspirierende Interviews mit Leute, die bereits ihr Ding gefunden hatten und las alles zu dem Thema, das ich in die Finger kriegen konnte.

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Meine Erwartungen an die Zeremonie

Irgendwann bin ich dann durch Zufall in einer Facebook Gruppe auf jemanden gestoßen, der schamanische Zeremonien organisiert. Ich war bereits vor Jahren mit diesem Thema in Berührung gekommen, da einige meiner Freunde in Mexiko davon erzählt haben. Damals stand ich diesen Zeremonien ziemlich ablehnend gegenüber, doch eine gewisse Neugier zu dem Thema blieb.

Da mir bewusst war, dass mich Bücher und Podcasts zum Thema „Wie finde ich mein Ding“ alleine nicht weiterbringen würden, fragte ich mich schließlich: Ist es ein Zeichen, dass ich ausgerechnet jetzt durch Zufall die Möglichkeit bekomme, an einer Zeremonie teilzunehmen? Nach langem Hin und Her beschloss ich schließlich, die Chance zu ergreifen, und meldete mich dafür an. Am 06.12.2017 war es schließlich so weit: Mit einem Schlafsack und Decken bewaffnet (da die Zeremonie die ganze Nacht dauern würde) machte ich mich auf den Weg. Die Frage, auf die ich in dieser Nacht eine Antwort bekommen wollte: Was soll ich mit meinem Leben machen? Welchen Beruf soll ich ausüben? Womit kann ich Geld verdienen und gleichzeitig die Welt verbessern?

Was ich bekommen habe

Ich war so naiv und dachte, ich würde tatsächlich eine Antwort auf diese Frage bekommen. Ja, ich weiß, mit meinem heutigen Wissen erscheint es mir ebenfalls verrückt, zu erwarten, eine derart grundlegende Frage, an der man sein ganzes Leben lang arbeiten kann, in einer einzigen Zeremonie beantworten zu können. Aber erst viel, viel später habe ich verstanden, was es mit dem Spruch „Eine schamanische Zeremonie gibt dir nicht das, was du willst, sondern das, was du brauchst“ gemeint ist: Tatsächlich habe ich in dieser Nacht all diese negativen Glaubenssätze, die mich bisher davon zurückgehalten haben mein Ding zu machen und meinem Herzen zu folgen, aufgearbeitet. Im Nachhinein betrachtet war die Zeremonie ganz eindeutig der Auslöser für all die Entscheidungen, die ich in den nächsten Wochen getroffen habe – beispielsweise meinen Job zu kündigen. Aber der Reihe nach.

Die Zeremonie

6. Dezember 2017. Ich komme an dem Ort, an dem die Zeremonie stattfinden wird, an und bin erst einmal beruhigt, dass es die Person, mit der ich im Vorhinein kommuniziert und der ich die Hälfte des Geldes bereits überwiesen habe tatsächlich gibt. Ich schreibe meiner besten Freundin – die übrigens als Einzige weiß, wo ich bin und was ich mache – dass alles okay ist, ich keiner Schlepperbande auf den Leim gegangen bin und mich am nächsten Morgen wieder melde. Danach schalte ich mein Handy aus.

Neben mir, demjenigen, der die Zeremonie organisiert hat und dem Schamanen aus Peru sind noch ungefähr acht andere Teilnehmer vor Ort. Wir schlagen unser Nachtlager auf, tauschen ein paar Höflichkeiten aus und warten darauf, dass es losgeht. Ich bin nervös – ich habe von einigen, die bereits an einer Zeremonie teilgenommen haben, gehört, dass die Erfahrung ziemlich heftig sein soll. Schließlich ruft uns der Schamane einzeln zu sich, um uns die Zeremonie genau zu erklären und uns zu fragen, was wir uns davon erhoffen. Dann geht es los.

Wir sitzen in einem Kreis, der Raum ist abgedunkelt. Der Schamane beginnt die Zeremonie mit einigen Ritualen, beispielsweise damit, den Raum mit Tabakrauch (dem reinen Naturprodukt, keinen Zigaretten!) zu säubern und die vier Elemente um ihren Schutz für die Zeremonie zu bitten. Anschließend trinken wir alle von einer pflanzlichen Medizin, die uns helfen soll, uns mit uns selbst und der Mutter Erde zu verbinden, um unsere Fragen zu beantworten. Nach einiger Zeit fängt der Schamane an zu musizieren. Seine Musik begleitet uns die ganze Nacht: Von Gesängen über Panflöte und dem Rascheln mit getrockneten Kräutern ist alles dabei. Anfangs finde ich es noch komisch, wie er in der Mitte des Kreises herumtanzt und Musik macht, doch je mehr ich mich darauf einlasse, umso mehr merke ich, wie mich die Musik beeinflusst und in eine Art Trancezustand bringt, in dem ich beginne mich nach innen zu richten und zu reflektieren. Während der Zeremonie interagieren die Teilnehmer nicht miteinander, sondern sind völlig auf ihr Innenleben und ihren eigenen Prozess konzentriert – wie bei einer Meditation.

Mein Prozess

Meine eigene Reise in dieser Nacht beginnt mit einem absoluten Hoch. Ich habe eine derart außergewöhnliche spirituelle Erfahrung, wie ich sie noch nie zuvor in diesem Leben hatte. Ich erlebe bedingungslose Liebe und erfahre, dass wir alle eins sind. Ich kann den Prozess von anderen Teilnehmern miterleben und Auszüge aus ihren früheren Leben sehen – und vieles, vieles mehr. Doch irgendwann schlägt mein Hoch in ein absolutes Tief um. Den Rest der Nacht werde ich mit meinen schlimmsten Ängsten konfrontiert. Ich arbeite Traumata auf und werde mir einiger meiner größten negativen Glaubenssätze bewusst, mit denen ich mich mein ganzes bisheriges Leben lang selbst sabotiert habe. Ich gehe durch die Hölle und möchte einfach nur dass es aufhört – doch einmal angefangen ist es unmöglich, den Prozess zu stoppen. Ich habe eine schmerzvolle Erkenntnis nach der anderen, und sobald ich ein Thema aufgearbeitet habe, kommt bereits das nächste – so lange, bis ich schließlich alles, was in diesem Moment notwendig war, erfahren und durchlebt habe. Es fühlt sich an, als ob die Nacht ewig dauert, bis mein Prozess und die Zeremonie schließlich endet und ich müde genug bin, um einzuschlafen.

Der Morgen danach

Am nächsten Morgen wache ich auf – und bin topfit. Obwohl ich maximal eine Stunde geschlafen habe und eine der intensivsten Nächte meines Lebens hinter mir liegt, fühle ich mich so frisch wie selten zuvor. Nach einer Dusche, Obst und einer Dattel fühle ich mich wie neugeboren. Ich bin so verbunden mit jedem Einzelnen im Raum, dass ich keine Angst habe, meine intimsten Momente und Erfahrungen dieser Nacht zu teilen. Ich habe verstanden, dass wir alle eins sind. Nicht nur mit meinem Kopf – sondern mit dem Herzen. Ich bin geliebt. Ich bin genug. Und ich trage eine intensive Botschaft in mir, die ich in dieser Nacht erhalten habe: Das Leben ist so viel mehr, als das, was wir glauben. Wir sind hier, um uns selbst zu erfahren und Dinge auszuprobieren. Uns kann nichts passieren – da dieses Leben in dieser materiellen Form nicht das Einzige ist, was wir haben, sondern es noch so viel mehr gibt, wovon wir kommen und wo wir wieder zurückgehen. Diese 80, 90, vielleicht 100 Jahre auf der Erde sind im Vergleich zu den Jahren, die wir bereits existieren und noch existieren werden rein gar nichts – wir sollten sie daher nicht allzu ernst nehmen, sondern sie dazu nutzen, das zu machen, was uns Freude macht und uns selbst und die Welt in ihrer materiellen Form erleben lässt.

Die langfristigen Auswirkungen der Zeremonie

Nach der Zeremonie fahre ich nach Hause. Einige Tage lang fühle ich mich noch extrem verbunden mit dieser Energie, danach schwächt es langsam wieder ab. Eine der Erkenntnisse, die ich in dieser Nacht hatte, war: Wenn ich etwas möchte im Leben muss ich das ganz klar kommunizieren. Ich kann nicht erwarten, dass andere erahnen, was ich möchte. Daher suche ich direkt am nächsten Tag das Gespräch mit meiner Chefin und sage ihr, dass ich gerne Stunden reduzieren möchte, um nebenbei noch Zeit für ein eigenes Projekt zu haben. Sie kommuniziert mir, dass dies von der Firma nicht gewünscht ist und nicht genehmigt wird. Wenige Wochen später ziehe ich die Konsequenzen daraus und kündige. Damals war mir der Zusammenhang nicht so direkt bewusst, aber im Nachhinein ist mir klar: Der Auslöser dafür war die Zeremonie. Davor hätte ich mich nie getraut, mir meine Wünsche so klar einzugestehen und zu kommunizieren – und die Konsequenzen zu tragen. Ebenso wenig hätte ich mich getraut, meinen sicheren Job aufzugeben, ohne eine Idee zu haben, was ich stattdessen machen möchte. Und dieses Beispiel ist nur eines von vielen, was die Zeremonie in mir ausgelöst hat und welche Ereignisse in meinem Leben sie mit sich zog.

Ist die Zeremonie für jeden geeignet?

Als ich anfangs erwähnt habe, dass die Nacht der Zeremonie zugleich die schönste, aber auch schlimmste Nacht meines Lebens war, habe ich nicht übertrieben. Ich selbst habe davor viele Erfahrungsberichte gehört und gelesen, in denen Ähnliches stand – und dachte mir „ach, so schlimm kann es ja gar nicht sein“. Oh doch, glaube mir, das kann es. Mit deiner dunkelsten Seite, deinen größten Ängsten und denjenigen Aspekten von dir, die du ganz, ganz tief im Unterbewusstsein vergraben hast in Berührung zu kommen ist eine derart extreme Erfahrung, die man sich nicht vorstellen kann, bevor man sie macht. Und die Nacht fühlt sich ewig an – so, als ob es nie, nie, nie wieder Tag werden würde.

Ich wollte mehrmals in dieser Nacht einfach nur sterben – ich war bereit, alles dafür zu tun, dass es aufhören würde. Daher denke ich nicht, dass eine derartige Zeremonie für jeden geeignet ist. Wer sich zudem noch gar nicht mit dem Thema der Spiritualität auseinandergesetzt hat, der sollte auf jeden Fall erst einmal damit beginnen, sich in diese Themen einzulesen, Achtsamkeit zu üben und zu meditieren, bevor er darüber nachdenkt, an einer Zeremonie teilzunehmen.

Ich glaube aber auch, dass wir Menschen einen gewissen Instinkt in dieser Hinsicht haben und gar nicht erst in die Situation kommen, wenn es nicht sein soll. Wenn du bisher noch nie mit Themen wie Wiedergeburt oder Innerer Kind Arbeit zu tun hattest, wird sich eine Zeremonie so verrückt für dich anhören, dass du im Leben nicht auf die Idee kommen wirst daran teilzunehmen. Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich das Thema jahrelang völlig abgelehnt habe, bis ich dann schließlich davon angezogen wurde und die Zeit dafür gekommen war. Schamanen sprechen auch von einer Art „Calling“: Die Zeremonie wird dich dann finden, wenn du bereit dafür bist.

Nur ein Weg von vielen?

Tatsächlich glaube ich auch nicht, dass die Zeremonie der einzige Weg ist, die Erkenntnisse zu haben, die ich hatte. Eine Freundin von mir, die Psychologie studiert hat und der ich davon erzählt habe meinte, dass wir in dieser Nacht im Prinzip nichts anderes gemacht haben, als das, was bei einer Psychotherapiesitzung passiert: Negative Glaubenssätze und Traumata zu erkennen und aufzulösen. Sie meinte aber auch, dass eine derartige Intensivität, wie ich es in dieser Nacht spürte, normalerweise mehr als eine Sitzung benötigt. Mit Meditation lassen sich ebenfalls ähnliche Erkenntnisse gewinnen und Ergebnisse erzielen – allerdings braucht es ziemlich viel Übung, damit du so tief in die Meditation reingehen kannst.

Ich denke daher, dass eine schamanischer Zeremonie nur ein Weg von vielen ist, Antworten auf grundlegende Fragen zu erhalten. Mich hat sie aber auf jeden Fall sehr beeindruckt und mich mit einigem an Material zur Reflexion zurückgelassen – an manchem davon arbeite ich noch heute. Für mich war die Zeremonie eindeutig ein Shortcut zu dem Leben, das ich heute führe. Und auch wenn ich damals direkt danach geschworen habe, nie, nie, nie wieder an einer derartigen Zeremonie teilzunehmen, muss ich nun zugeben, dass sich diese Haltung ein Jahr danach ein wenig geändert hat und ich schon wieder mit dem Gedanken spiele, die Zeremonie zu wiederholen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt!

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